Handyspionage – Anonymität ade

Der Überwachungsstaat ist schon lange kein Hirngespinst von irgendwelchen Paranoiker mehr. Im Gegenteil, er wächst und gedeiht vor sich hin, ohne das man scheinbar etwas machen kann. Während die Politiker gerade dabei sind, das Internet zu kontrollieren und zu zensieren, sieht es im Mobilfunkbereich schon viel schwärzer aus. Telefonüberwachung: Die Technik machts möglich, die Politik spielt mit.

Laut §100a der Strafprozessordnung darf eine Ermittlungsbehörde Telefonate auch ohne das Wissen der Betroffenen überwachen und aufzeichnen, wenn sich dieser als Täter/Teilnehmer/Anstifter/Gehilfe verdächtig gemacht hat.
Weiter legalisiert der Paragraph den Einsatz des so genannten IMSI-Catcher.

Mit diesem IMSI-Catcher kann zum Beispiel der Standort eines Mobiltelefons innerhalb einer Funkzelle eingegrenzt und ein Handy-Telefonat mitgehört werden.
Die Funktionsweise des Geräts ist einfach zu erklären. Der IMSI-Catcher simuliert letztendlich ein Mobilfunknetzwerk. Gegenüber einem Handy arbeitet der IMSI-Catcher wie eine Funkzelle (Basisstation) und gegenüber dem Netzwerk wie ein Handy. Die Konsequenz ist, dass alle Handys in einem gewissen Umkreis sich in den IMSI-Catcher einbuchen, da dieser das stärkste Signal hat. Dementsprechend erhalten die Ermittlungsbehörden nicht nur die Daten des möglichen Täters, sondern auch von Unschuldige, die sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Handy in der Nähe befinden. Eine entsprechende Meldung bekommt der Betroffene natürlich nicht, es soll ja alles Geheim ablaufen. Allerdings kann es zu Nebenwirkungen des IMSI-Catchers kommen. So kann dieser unter Umständen den gesamten Mobilfunkverkehr der betroffenen Handys lahm legen, so dass auch Notrufe nicht möglich sind.

Nachweisen kann man den IMSI-Catcher mit spezieller Monitor-Software. Eine solche Softwar dürften aber die wenigsten Privatanwender haben und noch viel weniger dürften sie bedienen können. Zumal man davon ausgehen kann, dass IMSI-Catcher von Geheimdiensten schwerer aufzuspüren sind, da diese versuchen werden, eine Netzbetreiberzelle 1-zu-1 zu kopieren. Lediglich über die stattfindende „Kommunikation“ könnte man einen IMSI-Catcher aufspüren.

Schützen kann man sich vor dem Abhören mit einer Handyverschlüsselungssoftware. So gibt es verschiedene Anbieter, die sich auf die Verschlüsselung spezialisiert haben. Dabei werden die Gespräche mit einem möglichst nicht knackbaren Zifferncode verschlüsselt. Damit solch eine Verschlüsselung funktioniert, muss allerdings auf beiden Gesprächsseiten die entsprechende Software installiert sein.

Weitere interessante Informationen kann man sich in einem Vortrag auf dem 18C3 anhören. Der Vortrag stammt aus dem Jahr 2001 und ist somit nicht mehr ganz aktuell, die Grundlagen und Probleme durch einen IMSI-Catcher werden aber gut rüber gebracht. Zum Schluss gibt es auch noch Informationen zum „russischen IMSI-Catcher“.